Theater am Kurfürstendamm und Komödie
Die beiden zusammengehörenden
Theater im Kudamm-Karree sind nicht die einzigen Theater
am Kurfürstendamm, aber wenn von "den Kudamm-Theatern"
die Rede ist, sind sie gemeint. Beide stammen aus den zwanziger
Jahren, sind Werke des renommierten Theater-Architekten
Oskar Kaufmann und stehen auch unter einer gemeinsamen Intendanz,
seit der legendäre Regisseur Max Reinhardt Ende der
zwanziger Jahre beide Häuser unter seiner Hoheit vereinte.
Reinhardt musste Deutschland nach dem Machtantritt der Nazis
verlassen, weil er als Jude hier keine Wirkungsmöglichkeit
mehr fand. Es waren Hans Wölffer und danach sein Sohn
Jürgen Wölffer, die die beiden Theater in nicht
einfacher Zeit fast ununterbrochen betrieben, über
den 2. Weltkrieg retteten und sie anschließend zu
einem unverzichtbaren Teil des Theaterlebens im Westteil
Berlins werden ließen.
Anfang der siebziger Jahre wurden Komödie und
Theater am Kurfürstendamm als jeweils eigenständige
Baukörper in den neu entstehenden Komplex des Kudamm-Karrees
integriert.
In dritter Generation betreibt sie nun Martin Woelffer und
sichert durch immer neue Ideen (wie beispielsweise seinen
großen Erfolg mit den "Comedian Harmonists")
einen Theaterbetrieb, der ohne öffentliche Zuschüsse
auskommt - was keine Selbstverständlichkeit ist.
Der Wahlkreisabgeordnete Frank Jahnke mit Intendant Martin Woelffer und der Kulturpolitikerin Dr. Felicitas Tesch vor dem Theater am Kurfürstendamm
Die damalige Eigentümerin des Kudamm-Karrees DB Real Estate, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bank, plante nach der Jahrtausendwende einen vollständigen Umbau des mittlerweile doch recht unansehnlichen 70er-Jahre-Gebäudekomplexes, bei dem für die beiden historischen Theater kein Platz mehr war. Zwar wurde Martin Woelffer angeboten, er könne in dem neuen Kudamm-Karree ein Theater betreiben, insbesondere die Zusammenlegung der beiden Bühnen zu nun einer und der Abriss der noch erhaltenen Original-Bauwerke von Oskar Kaufmann führten jedoch zu einer regen Debatte und Widerstand nicht nur rund um den Kudamm. Bedauerlicherweise wurde eine Unterschutzstellung der Originalgebäude im April 2006 vom Denkmalrat abgelehnt.
Die Bezirksbürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf, Monika Thiemen, die Kulturpolitiker der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus und ich als Wahlkreisabgeordneter führten zahlreiche Gespräche und diskutierten Lösungsmöglichkeiten, um das Verschwinden der beiden Traditionstheater abzuwenden. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit ließ gegenüber dem Vorstand der Deutschen Bank keinen Zweifel daran, dass das führende deutsche Geldinstitut auch eine allgemein politische Verantwortung besitzt, die über die reine Kapitalverwertung hinausgeht.
Im Dezember 2006 verkaufte die DB Real Estate das Kudamm-Karree an ein Tochterunternehmen der amerikanischen Fortress-Gruppe, die es im September 2007 an die irische Gesellschaft Ballymore Properties weiter veräußerte.
Nicht zuletzt aufgrund des massiven Drucks der Berlinerinnen und Berliner, der Politik und der Presse, die eine Auslöschung der Bühnen verhindern wollten, beauftragte Ballymore im September 2009 schließlich den britischen Star-Architekten David Chipperfield mit einer Planung für das Kudamm-Karree mitsamt Theater.
Das historische Theater ist als eigenständiger Baukörper noch heute im Kudamm-Karree erhalten.
Chipperfields erster Entwurf, der im Kern Gefallen bei den beteiligtren Behörden gefunden hatte, sah die Verlegung des Haupteingangs in die den Boulevard kreuzende Uhlandstraße vor. Theaterdirektor Martin Wölffer sagte hierzu: "Wir haben eine Vereinbarung über ein Theater am Kurfürstendamm, nicht an der Uhlandstraße."
Im daraufhin überarbeiteten Entwurf lieferte David Chipperfield das Konzept für ein modernes, zeitgemäßes Gebäude, das zum einen Büro- und Gewerbeflächen beinhaltet, aber auch die beiden Kudamm-Bühnen in nunmehr einem Theater mit 650 Sitzplätzen unterbringt. Dessen Gestaltung lehnt sich an das von dem bekannten Theaterarchitekten Oskar Kaufmann entwickelte ranglose Saaltheater an und wird die Besucher künftig in historischem Ambiente empfangen, so dass die historischen Originale zwar nicht erhalten, aber immerhin würdig im Originalstil ersetzt werden. Auch der Eingang wird - entgegen zwischenzeitlich anders lautender Planungen- vom Kufürstendamm aus zugänglich sein, so dass den Berlinerinnen und Berlinern zwar in veränderter, aber nicht minder würdigen Form „ihre“ Spielstätte am Kudamm erhalten bliebe – ein Baubeginn ist allerdings noch nicht absehbar.

