Zur Schwalenberger Malerkolonie

Die Malerstadt Schwalenberg im Südosten des ehemaligen Fürstentums Lippe (heute Nordrhein-Westfalen) stellt eine landschaftliche wie kulturelle Besonderheit dar. Bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert gab es verschiedentlich Künstler, vorwiegend aus der Düsseldorfer Schule, die regelmäßig in Lippe wirkten und auch Schwalenberg gelegentlich Besuche abstatteten. Die eigentliche Entwicklung zur Malerkolonie setzte aber erst mit der aufkommenden Sommerfrischenbewegung zu Anfang des 20. Jahrhunderts ein. Entscheidend waren nunmehr Maler aus Berlin, die ihre Ausbildung an der königlichen Akademie, der Kunstgewerbeschule Berlin oder an einer der zahlreichen privaten Malschulen – insbesondere in Charlottenburg – erfahren hatten und während der Sommermonate in Schwalenberg weilten. Im Unterschied zu anderen Malerkolonien gab es in Schwalenberg kaum feste Ansiedlungen von Künstlern, sondern die Maler wirkten hier zumeist während ihres Urlaubs. Daher kam den Gasthäusern – allen voran der Künstlerklause – eine große Bedeutung für die Entwicklung zur Malerstadt zu. Hier betrieb auch der bedeutende Charlottenburger Landschaftsmaler Hans Licht ab 1920 über mehrere Jahre in den Sommermonaten seine Malschule. Noch bis Mitte der achtziger Jahre spiegelte die Künstlerklause mit ihrem Interieur, insbesondere ihrem reichen Bilderbestand die Geschichte der Malerstadt Schwalenberg wider. Leider wurde dieser Fundus auf einer Auktion in Herbst 1986 irreversibel in alle Winde verstreut, und das für Schwalenberg so wichtige historische Gebäude mit seiner Fassasenbemalung dem Verfall preisgegeben. Als Zeuge dieser Auktion kam ich zu der Erkenntnis, dass man die Geschichte der Künstlerklause jetzt recherchieren musste, solange wichtige Zeugen aus der Blütezeit der Malerkolonie noch lebten. In den folgenden Jahren führte ich zahlreiche Gespräche mit Zeitzeugen und hielt die Aussagen in Tonbandprotokollen fest. Das Ergebnis liegt auch in Buchform vor:



Frank Jahnke: Die Künstlerklause in Schwalenberg : Zur Geschichte der Schwalenberger Malerkolonie, verbum-Verlag Berlin 1998, ISBN: 3-928918-64-8

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